Die 26 jährige Berlinerin Fahr Sindram zeichnet Mangas und machte sich durch ihre CINEMA BIZARRE Bilder von sich Reden. Für ihr Erstlingswerk LOSING NEVERLAND, dass beim Butter&Cream Verlag erschien, erhielt sie eine Ehrung der Bundesregierung und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung. Bald erscheint der zweite Band zu LOSING NEVERLAND und aus diesem Anlass hat ANIMEY Mitarbeiter MILLUS die Zeichnerin Fahr Sindram interviewt.
Millus: Du bist gerade dabei Losing Neverland 2 zu beenden. Wie fühlst du dich?
Fahr:
Erleichtert, nervös, müde, weil ich es endlich geschafft habe. Ich hatte im Herbst 2006 schon wieder damit begonnen, war dann aber krank geworden, dann kam das Kinderbuch dazwischen! Ich hoffe das die Story auch für den Leser etwas tiefer gehen wird als in Band 01, und die Entwicklung der Figuren rüberkommt. Diesmal gibt es ja auch, anderes als in Band 01 ein paar Bonus-Stories, die teilweise das LN-Universum erweitern.
M: Gab es Unterschiede beim Schaffensprozess zwischen den ersten und zweiten Teil von Losing Neverland?
F:
Außer das ich krank war, nicht viel. Vielleicht das ich mir mehr Zeit für die Details und auch die Genauigkeit genommen habe. Ich habe auch weniger Chibis eingebaut, einfach weil die Story jetzt ernster wird. Ich werde aber versuchen den Humor beizubehalten.
M: Wie kam aus deiner Sicht der erste Band von Losing Neverland bei den Lesern an? Kannst du auch von einem finanziellen Erfolg sprechen?
F:
Der kam super an – und das nicht nur in Deutschland! Ich sehe ihn als großen Erfolg. Persönlich, mangatechnisch, und auch markttechnisch. Ich bin zwar jetzt nicht superreich, durch mein Vertrag, aber immerhin stehe ich ziemlich auf eigenen Füssen. Der ganze Schnack, man könne nicht davon leben, ist quatsch - wenn man kein Auto fährt!^_____^;;
Was mich freut ist auch der große Zuspruch aus Asien und anderssprachigen Ländern, das spornt an. Ich weiß das wirkt jetzt ziemlich selbstsicher/arrogant, aber es ist nun einmal so, und darauf bin ich stolz!
Klar gibt’s Leute denen ein Werk gegen Shota/Lolicon nicht passt, aber das ist ja logisch!
M: Was würdest du beim ersten Band von Losing Neverland anders machen, wenn du die Zeit zurückdrehen könntest?
F:
ALLES! ^__^Nein, Bullshit, die Story würde so bleiben, aber bei den Zeichnungen würde ich einige gern etwas erwachsener gestalten, die Optik ändern. Es sind aber nur Fehler, die jedem auffallen würden, wenn er auf ein altes Werk schaut. Die Geschichte gefällt mir genauso wie vorher, die Zeichnungen würde ich nur mit dem dazugelernten überarbeiten. Im Grunde ist das aber alles nicht nötig, und auch gut so wie es ist.
M: Losing Neverland handelt von Kindesmissbrauch, Kinderprostitution und behandelt ernste Themen wie Tod und Verlust. In der Öffentlichkeit hast du die Inhalte mancher anderer Mangas kritisiert und du hast heftiges Feedback zurückbekommen. Hast du so etwas erwartet und wie bist du damit umgegangen?
F:
Ja, klar, damit habe ich gerechnet. Das war mir von vornherein klar. Ich will auch mit niemanden kuscheln, und erwarte nicht das meine Gegner meine Meinung einfach schlucken!
Es gibt Grenzen, die überschritten werden, und die heilig sind. Verlage lassen für Geld alles fahren was für Anstand und Sitte wichtig ist. Ich rede hier nicht von „Pfui-Bäh-Nackig“.
Pornografie allgemein, künstlerische Freiheiten sind wichtig, Meinungsfreiheit noch mehr, aber wenn’s ums Sex mit Kindern, oder auch nur Kinder in einem erotischen Kontext geht, hört es bei mir auf. Alle sollten so denken. Ich bin kein Gegner von Yaoi oder Hentai. Ich lese für mein Leben gern Shounen Ai und all so was. Aber Sex mit Kindern ist für mich einfach das ALLERLETZTE!^^;; In Sachen „Anti-Childporn“ fühl ich mich schon wie so’n Outlaw, a la 50 Cent oder was weiß ich für’n Gangster, als würde ich für seltsame Ansichten eintreten. Im Grunde sollte es genau andersherum sein.
Ansonsten reagiert die Masse sehr positiv auf das Ganze, so wie es ja auch anzunehmen ist, und auch bei Missbrauchsopfern trifft der Manga auf hohen Zuspruch. Gerade von dort kommt ja auch das Feedback das wichtig ist, denn grade Menschen die so etwas mitgemacht haben will ich damit erreichen und ein bisschen Respekt zollen.
Der Bundesregierung und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung war es jedenfalls eine Ehrung für mein umsichtiges Denken und meine Nachhaltigkeit wert!^___^
M: Sind Mangas zu sexistisch und gewaltverherrlichend?
F:
O_O IIIh,nein, natürlich nicht! Wer so was sagt gehört geklapst! Manga ist ein Medium wie jedes andere auch, für jeden ist was dabei, und das ist auch gut so!
M: Die meisten Manga-zeichner (Mangakas) versuchen bei einen großen Verlag unterzukommen. Du bist beim Verlag BUTTER&CREAM gelandet. Was steckt hinter BUTTER&CREAM? Erzähl etwas zum Verlag.
F:
Mir geht’s um die Botschaft, und die konnte ich nicht bei jedem Verlag gefahrlos so zeichnen wie ich wollte. Das System von Butter & Cream ist einfach; Aussage, Anspruch, Qualität ist alles.
Der Manga scheint das zu erfüllen. Ich bin noch lange nicht perfekt, aber ich wage zu behaupten, meine Botschaft ist wichtig. Das umzusetzen, ohne Einflussnahme, gilt mir alles. Ich habe einige Leute in den Wind geschossen, weil die Story in Gefahr gekommen wäre.
Butter & Cream nehmen nur in soweit Einfluss, wie ich Fehler mache, also bei Aufbau oder Anatomie, aber die Story wird nicht angepasst, wie es anderswo der Fall wäre. Das gibt es nicht überall, darum bin jetzt da und nicht woanders. Die Geschichte war schon fertig, bevor ich einen Verlag an sie rangelassen habe.
M: Deine Mangas erscheinen ja nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in englischer Sprache. Und auf der Verlagsseite steht: deine Werke werden auch auf japanisch und französisch erscheinen. Wie ist es zu dieser Idee gekommen und wann kann man damit rechnen?
F:
Ja, das stimmt. In Englisch ist er schon raus, und wurde auch in Frankreich und Japan in der Sprache vorab vorgestellt. Ich weiß das der Manga in Frankreich usw. erscheinen wird, wann weiß ich aber auch nicht.^__^ Das überlass ich lieber den Fachleuten. Das man meinem Manga so begeistert international aufnimmt, macht mich allerdings jetzt schon superstolz!
M: Wenn man deinen Blog liest, erkennt man, dass du viel unterwegs bist, um zu signieren und um deine Mangas vorzustellen. Was war dein schönstes Reise Erlebnis?
F:
Oh, das war in Frankreich , als wirklich französische Fans kamen, die schon Jahre meine Bilder im Internet kannten, und mich noch nie getroffen hatten und total ausgeflippt sind.
Ein weiteres absolutes Highlight war auch das LN in Japan auf einer Messe an nur einem Tag völlig ausverkauft war – das war für mich unglaublich!;_; Der Zuspruch aus Japan ist unfassbar, und ich bin sehr dankbar dafür!
Sonst ist auch noch toll das man anderen Zeichnern auf Augenhöhe gegenübertreten kann, so habe ich mit vielen netten Leuten Kontakt bekommen, wie Barbucci & Canepa, Neil Gaiman oder Zoran Jatjentov. Das wäre sonst bestimmt nicht möglich gewesen.
M: Was war das wichtigste was du in den letzten Jahren als Mangaka gelernt hast?
F:
Das eine Deadline wirklich anrückt man sich nicht einfach ducken kann bis der Knall kommt!^^;;
Ich habe total Angst vor Deadlines;_;!
M: Sprechen wir über deine Arbeitsweise. Zeichnest du klassisch mit Bleistift oder gehörst du zu den Leuten, die direkt am Rechner zeichnen? Und wie wichtig ist der Computer für deine Arbeit?
F:
Ich zeichne auf Papier von Deleter, scanne es ein und Raster dann am PC mit Comicworks und Photoshop.
Der Strich auf Papier ist nicht zu ersetzten, man ist einfach genauer, sieht die Fehler besser. Wenn man analog zeichnen kann, sollte man das tun. Aber aus Zeitgründen greife ich für Farben öfter auf den PC zurück. Manche schwören jetzt ja auf rein digitale Manga, aber das ist für mich nicht mit richtiger Tinte und Papier zu vergleichen. Es ist nicht die gleiche Qualität.
M: Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
F:
Ich stehe auf, esse Frühstück und gehe mit ´nem Tee an den Arbeitstisch, bis 18:00 Uhr, dann check ich Mails, und wieder ab zum Arbeitstisch bis 02:00 Uhr nachts. So sieht’s jedenfalls im Idealfall aus.
M: Hast du Lieblingsstifte mit denen du sehr gerne arbeitest?
F:
Nee, so was gibt’s nicht. Ich arbeite mit allem was geht. Wichtig ist, beim Zeichnen die gleiche Technik zu verwenden. Also mitten im Manga eine neue Technik testen, oder den Stift wechseln, davon bin ich geheilt.
M: Welche Künstler oder Werke haben dich am meisten beeinflusst?
F:
Uii, das sind echt viele. Zeichnerisch von Leuten wie Barbucci & Canepa, Jeff Smith, Wendy Pini oder Kaori Yuki. Beim Erzählen waren es Autoren wie Pratchett oder Gaiman und Tolkien, die viel Einfluss hatten.
M: Was ist dein Lieblingsmanga?
F:
God Child, ungebrochen seit 8 Jahren. Da heul ich, wie beim ersten Lesen, immer wieder.
M: Wie bist du eigentlich zum Zeichnen gekommen? Wann hast du dich berufen gefühlt die Welt als Mangaka zu erobern?
F:
Na, erobern. Ich hoff meine Werke werden berühmter als ich, sonst hätte ich lieber Schauspieler werden sollen. Nein, eine Berufung war nicht da, aber ich wollte Geschichten erzählen, komme was wolle. Vielleicht nicht als Mangaka aber bestimmt mit Bildern dazu!
M: Du bist ein Teil der deutschen Manga Szene. Die meisten Mangafans kennen dich. Was gefällt dir und was gefällt dir nicht an der Manga Szene?
F:
Gefallen tut mir das unsere Szene sehr klein ist. Jeder kennt jeden, durch Animexx, oder Animey oder andere Seiten, oder von Cons. Da geht’s viel herzlicher zu, als in anderen Ländern. Es gibt kein Elitedenken, jeder mit Talent kann morgen schon Mangaka sein, und mancher Mangaka hört mit dem Job auf, und wird wieder ganz normaler Manga-fan. Das finde ich sehr positiv.
Negativ finde ich die Entwicklung zum Gruppendenken, das wird immer stärker. Und der Neid wird auch immer größer, statt Teamwork gibt es immer öfter Leute, die die Szene für sich behalten wollen, wie im Visual Kei zum Beispiel. Ich war auch einmal ein Visual-Neuling, und man hat mich mit offenen Armen aufgenommen, heute ist das nicht mehr so, viele Neu-Visus werden angemacht, beim Manga ist es genauso.
M: Die Manga Zeichnerszene ist berühmt für ihre Lästerei und Neid-Ausbrüche. Oft kommen sehr bekannte oder weniger bekannte Zeichner/innen auf einen zu und wollen einen vor bestimmten Personen „warnen“ und lästern sich einen Ast ab. Das es oft Lügen und Verdrehungen der Wahrheit sind, kann am Ende kaum einer beweisen. Oft kommt es soweit, dass manche Zeichner/innen schlecht über andere bei Verlagsleuten reden, um so anderen eins auszuwischen oder deren Karriere zu boykottieren. Wie gehst du mit so etwas um?
F:
Ja, das wird immer stärker, und fällt bestimmt unter genannten Neid. Ich selbst habe in den letzten Monaten erlebt das Kollegen mich auf einmal runtergemacht haben, öffentlich, privat oder vor anderen, die ich sogar gut leiden konnte, und ich nur mit Respekt behandelt habe. Ich konnte mir das erst auch nicht erklären, aber es MUSS Neid sein, auch wenn diese Leute Erfolg haben. Vielleicht bekommen manche einfach einen Höhenkoller. Tatsache ist, manche versuchen mir auf einmal ans Bein zu Pinkel, und ich weiß nicht mal warum. Die Mangaszene wird immer mehr zur Bronx, das ist meine Meinung!
Wenn mich jemand ins Vertrauen zieht, weil ihm etwas ähnliches passiert, dann fühle ich mich geehrt und respektiere dieses Vertrauen, werde deswegen aber noch lange nicht großen Alarm schlagen, und mich in Kriege reinziehen lassen, die mich vielleicht so gar nichts angehen. Streit ist privat, und ich finde alle sollten das so sehen. Ich jedenfalls tu das.
^__^ Andere Leute bei Verlagen oder öffentlich schlecht zu machen ist allerdings GANZ ÜBEL, und VOR ALLEM „Unprofessionell“!