Diese Bilder sind das, was „Hori-shi“ trotz der spärlichen Informationen zu einem Highlight für Tätowier-Freudige machen. Detaillierte Aufnahmen von vollendeten Irezumi erfüllen den Zuschauer unwillkürlich mit einer fast schon ehrfürchtigen Faszination – komplexe Gemälde von mythologischen Gestalten, Naturelementen, Tieren und anderem ziehen sich über Rücken, Schultern, Arme, Brust und/oder Beine, bis es scheint, als sei die Tätowierung tatsächlich ein Gewand ihres Trägers. In leuchtenden Farbtönen und präzisen Motiven kann man nicht umhin, die Kunstfertigkeit der Meister zu bewundern – und die Toleranz derjenigen unter ihrer Nadel.
Zu den typisch japanischen Bildelementen stellt die Dokumentation einige Erklärungen zusammen, die anhand von Beispielen die Bedeutung und Tragweite der jeweiligen Motive erläutern. Spätestens an dieser Stelle merkt man als westlicher Zuschauer, welch unterschiedliche Tradition die japanische Tätowier-Kunst begründet hat. Irezumi auf der Haut zu tragen, gilt als fast schon spirituelle Erfahrung, die das Wesen des Menschen stärkt.
Disc
Das Menü ist schön gestaltet – vor einem schwarzen Hintergrund ist ein Männertorso mit einer Irezumi-Zeichnung auf dem Oberarm platziert, daneben ein nur in Konturen umrissener Schmetterling. Eine Reihe von kleinen Szeneneinblicken rundet den eleganten Eindruck ab. Man hat lediglich die Auswahl zwischen dem Filmstart und den Untertiteln, da weder deutsche Synchronisation noch Extras auf der Disc zu finden sind. Die japanische Tonspur ist in Dolby Digital 2.0 enthalten, verfügt dafür aber unter Untertitel in Deutsch, Polnisch, Französisch und Englisch. Dank der vielen farbenprächtigen Nahaufnahmen von Irezumi-Bildern sind die Untertitel häufig schlecht zu lesen. Das Bildformat 16:9 ist kontrastreich, so dass sich die Kunstwerke in ihrer vollen Pracht zeigen können, auch wenn die Aufnahmequalität an sich durchaus besser sein könnte. Untermalt ist die Optik mit wunderschön orchestrierten Klängen japanischer Instrumente, die die oft eher poetischen Kommentare des Sprechers nicht mehr ganz so fehl am Platz wirken lassen.

Bonusmaterial
„Hori-shi“ enttäuscht mit Extras – weder Booklet noch Trailer ergänzen die Dokumentation, so dass sie rein für sich stehen muss. Nicht einmal ein Wendecover gegen das lästige FSK-Zeichen wird geboten.
Verpackung
Die schlichte Aufmachung setzt sich bei der Verpackung fort. Eine einfache schwarze Plastikhülle beherbergt die Disc, wird aber zumindest mit einer schönen Irezumi-Aufnahme auf dem Cover geziert. Dessen Flair ruiniert leider das gelbe FSK-Zeichen, das die Dokumentation ab sechs Jahren freigibt. Auf der Rückseite findet man einen gut geschriebenen Text zur Dokumentation und einige vielversprechende Screenshots.
Fazit
„Hori-shi“ fasziniert mit detailreichen Nahaufnahmen von japanischen Ganz-Körper-Tätowierungen und Einblicken in die Studios bekannter Meister. Mit 61 Minuten versucht die Dokumentation gar nicht, primär Informationen zu vermitteln, auch wenn ihr einige aufschlussreiche Kommentare nicht abzusprechen sind. Doch der ganze Gestus dieses Films ist weniger informativ als huldigend – was interessierten Zuschauern dennoch einen guten Zugang zu dieser ungewöhnlichen Kunst verschafft. Allerdings ist das eher ein Genuss für Liebhaber, denn ohne deutsche Synchronisation und mit der minimalistischen Aufmachung dieser Veröffentlichung wird nicht jeder etwas damit anfangen können.
Wir bedanken uns bei
Eye See Movies fĂĽr das Rezensionsexemplar zu "Hori-shi".