Parodie der Liebe - Review
EINLEITUNG:
Rie Honjoh ist eine bekannte und begehrte Mangaka von zahlreichen Boys-Love-Titeln. Neben den Mehrteilern Sexperimente, Unsichtbare Liebe und Hauptfach Liebe sind auch die Einzeltitel Schlimmer Finger und Nachtregen im TOKYOPOP – Verlag erschienen. Ihren Werken ist es gemein, dass sie als Ü-18 in Folie verpackt im Regal zu finden sind und großen Anklang bei der weiblichen Leserschaft finden. Hübsche Jungs, attraktive Männer, Romantik, eine Dreiecksgeschichte, das sind die klassischen Zutaten, aus denen gute Manga gemacht sind. Ende September stand Parodie der Liebe an erster Stelle der Verkaufscharts von TOKYOPOP. Ob sich ein Kauf nun tatsächlich lohnt, erfahrt ihr hier.

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Aoto lebte nach dem Tod seiner Eltern bei seiner Schwester und seinem Schwager Takashi. Doch nun ist auch die Schwester verstorben, und so lebt er alleine mit Takashi. Er hat schon länger ein Auge auf den Schwager geworfen, doch natürlich kann er ihm dies niemals gestehen, würde er doch seine Schwester dadurch verraten. Als Takashi auf eine Geschäftsreise muss, soll nun Masayuki auf den Schüler aufpassen. Masayuki verliebt sich in Aoto, und Aoto weiß nun gar nicht mehr, wie ihm geschieht ...

Rie Honjohs Parodie der Liebe vermittelt den Eindruck, als würde es sich um eine einzige Geschichte handeln. Tatsächlich allerdings sind in dem Einzelband drei Kurzgeschichten: Die zweite erzählt von einem der Nebencharaktere der Hauptstory, die dritte Geschichte erzählt erneut von Aoto, Takashi und Masayuki. Die erste Erzählung ist am ausführlichsten. Dennoch bleibt in keiner der drei Geschichten wirklich genügend Raum für Charakterentwicklung oder Storyentwicklung.

Der Leser wird sehr schnell in die Story hineingeworfen. Romantik kann nicht wirklich entstehen, dazu geht es zu schnell, und auch die Gefühle der einzelnen Figuren sind nur schwer nachvollziehbar. Es wirkt sehr willkürlich, die Gründe für Masayukis Verliebtheit in den Schüler erfährt der Leser nicht, es ist eben so. Hinzu kommt, dass Rie Honjoh die Perspektiven mehrfach wechselt. So wird die Handlung mal aus der Sicht Aotos, ein andermal aus der Sicht Masayukis, dann wiederum aus der Sicht Takashis, ja sogar für einige Seiten aus Sicht eines Nebencharakters erzählt. Da die Protagonisten sich teilweise abgesehen von Frisur und Haarfarbe sehr ähnlich sehen, fällt es stellenweise schwer, der Handlung – die an sich sehr simpel gestrickt ist – zu folgen, wenn plötzlich unerwartet wieder einmal die Perspektive wechselt. Die Geschichte wirkt sehr sprunghaft, was der Romantik ebenfalls abträglich ist.

Honjoh-senseis Zeichnungen sind sehr schlicht, skizzenhaft. Auf Hintergründe, ja sogar auf Rasterfolie, wird weitgehend verzichtet. Die Charaktere sehen sich alle sehr ähnlich, wenn man von den Frisuren absieht. Emotionen sind eher aus der Handlung als aus den Gesichtern erkennbar. Lediglich die Grundzüge »positiv, erfreut, angenehm« und »ärgerlich, traurig, wütend« lassen sich einordnen. Die Augen wirken leer und abwesend, so als wären die Charaktere in Gedanken eigentlich ganz woanders. Was man der Zeichnerin allerdings lassen muss sind die hübschen Gesichtsformen und klaren Proportionen. Gerade in den erotischen Szenen werden hübsche Körper geboten, die ansehnlich und attraktiv sind. Und auch die schlichte Kleidung weiß zu gefallen und lässt die Charaktere lebendig wirken.

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Die Erotik ist wirklich eher Erotik denn Romantik. Von einer Vergewaltigung zu sprechen wäre etwas zu weit gegriffen, aber mit Romantik und Gefühl hat die erste Nacktszene zwischen Masayuki und Aoto nichts gemeinsam. Der Erwachsene macht sich über den Jungen her, lässt seiner Lust freien Lauf und kümmert sich wenig darum, ob es Aoto gefällt oder ob dieser überhaupt bereit dazu ist, geschweige denn ob Aoto ihn überhaupt begehrt oder gar liebt. Weshalb Aoto, der sich eher wehrt, ja der sogar beim ersten Mal vor Schmerz und Scham weint, sich dennoch in Masayuki zu verlieben glaubt, bleibt dem Leser ein Rätsel.

Wer also Wert auf Romantik und Gefühl liegt, der wird hier sehr enttäuscht. Dafür werden hübsche Körper geboten, und es wird nichts zensiert oder beschönigt. Während in anderen Boys-Love-Manga häufig nur angedeutet wird, bekommt der Leser hier alles zu sehen. Allerdings ist der Großteil des Manga die Darstellung der (zwar einfachen, dafür aber ausgedehnt beschriebenen) Geschichte, sodass es nur sehr wenige explizite Erotik gibt, die dann auch auf sehr wenigen Seiten abgehandelt wird. Die Zielgruppe von Parodie der Liebe ist aufgrund der Darstellung der erotischen Szenen deutlich ein Publikum über 18. Rie Honjohs Zeichenstil und die Erzählweise allerdings richten sich an ein sichtbar jüngeres Publikum.
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FAZIT:
Für jüngere Leser ist Rie Honjohs neuester Oneshot zu »sexlastig«, ältere Leser erhoffen sich in der Regel aber doch eine etwas komplexere Geschichte. Es ist also schwer, eine klare Empfehlung für Parodie der Liebe auszusprechen. Allerdings hat Rie Honjoh eine große Anzahl von Fans in Japan wie auch in Deutschland, und für diese wird auch der neue Band wieder ein Leckerbissen aus hübschen Jungs und deutlichen Sexszenen sein, bei dem sie auf jeden Fall voll auf ihre Kosten kommen.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares zu Parodie der Liebe.


© RIE HONJOH 2010
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2011

von SaraSalamander    

Parodie der Liebe - Verpackung
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  • Originaltitel:
  • Deutscher Titel:
    Parodie der Liebe
  • Japanisch Kanji:
    ラブスキット
  • Art/Typ:
    Taschenbuch
  • Genre:
    Romantik, Yaoi
  • Bände:
    1, ca. 180 Seiten pro Band
  • ISBN:
    978-3-8420-0177-0
  • Produktionsjahr:
    2006
  • Manga Release:
    Deutscher Release 00.00.0000
Bewertung
  Zeichnung
 
  Story
 
  Charaktere
 
  Tiefgang
 
Gesamtwertung:     5.75
Bewertung
Freigegeben ab 16 Jahren