Nightschool - Review
EINLEITUNG:
Spätestens seit Harry Potter sind Schulen, an denen Zauberei und Hexerei gelehrt werden, mehr als nur salonfähig. Während etwa Setona Mizushiro mit After School Nightmare zwar auch eine verzauberte Schule präsentiert, diesen Zauber jedoch ins Unterbewusstsein verschiebt, bleibt bei der amerikanischen Comiczeichnerin Svetlana Chmakova die Realität ein geheimnisvolles Wagnis voller düsterer Gestalten und Mysterien. TOKYOPOP hat der Serie eine deutsche Übersetzung ermöglicht.
Des Nachts ist alles anders. Während alle herkömmlichen Menschen nach der Devise „Carpe diem“ leben und sich lieber am Sonnenlicht erfrischen, als an dessen Abwesenheit ergötzen, gibt es auch noch andere Wesen, Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die von der restlichen Menschheit, ähnlich wie die Welt rund um Hogwarts in Harry Potter, nicht bemerkt wird. Diese Wesen werden in Sachen Magie nachts an High Schools unterrichtet, die tagsüber als ganz normale Schulen fungieren. Nightschools eben.

Sarah ist seit kurzem Nachtwächterin an eben so einer Schule. Mit ihrer quirligen, humorvollen Persönlichkeit sticht sie ein wenig heraus aus den Schülern und Lehrern der Nightschool, die sich meist eher dem Ernsthaftem verschrieben haben. Während alle anderen ihre Düsternis pflegen, gründet Sarah einen Manga-Club und nimmt die Leute wohl nicht immer so ernst, wie sie es gerne hätten. Und trotzdem hat auch Sarah ihre Geheimnisse. Etwa ist unklar, warum ihre kleine Schwester Alex nicht in einer Schule unterrichtet wird, sondern zu Hause bleiben muss und dort gelehrt wird. Dass das Leben von Menschen mit magischen Fähigkeiten aber nicht nur von Schule und lustigen Zaubertricks geprägt ist, ist eine Selbstverständlichkeit. In den Nightschools werden die Schüler zu professionellen Jägern gegen böse Nachtgeschöpfe ausgebildet, Vampire etwa, die, wenn sie ausgewachsen sind, zu manischen, tragischen Skelettteufeln werden, die nur darauf aus sind, so viele Menschen wie möglich auszusaugen und zu töten.

Und dann passiert das Einschneidende. Sarah verschwindet einfach so. Sie wird vom Erdboden ausgelöscht und mit ihr die Erinnerungen an sie. Nur Alex kann sich noch an ihre Schwester erinnern und kann sich ganz bewusst gegen das Vergessen, das sie fast erreicht, wehren. Was ist mit Sarah passiert? Die kleine Schwester macht sich auf die Suche…
Ein ausgewachsener Vampir ist nicht mehr so verführerisch...
Ein ausgewachsener Vampir ist nicht mehr so verführerisch...Bildausschnitt erweitern

Die Vereinigten Staaten haben, wie etwa auch Deutschland, eine eigenständige Manga-Szene entwickelt, aus der regelmäßig Zeichner, die stark von japanischen Comics beeinflusst sind, hervortreten. Svetlana Chmakova gehört zur ersten Generation dieser Szene, die mit zahlreichen Begriffen betitelt wird: OEL Manga („Original English Manga“), Amerimanga, Global Manga und so weiter.

Chmakovas Komödie Dramacon ist auch auf Deutsch erschienen, mit Nightschool, von dem bislang mindestens vier Bände geplant sind, wagt sie sich auf ein anderes Terrain. Zwar baut Chmakova weiterhin eine Fülle an humorvollen Einlagen ein, konzentriert sich im Wesentlichen aber auf den Versuch, eine eigene magische Welt mit einem ganzen Haufen Figuren möglichst vielseitig und trotzdem übersichtlich zu gestalten.
Alex und ihr Haustier
Alex und ihr HaustierBildausschnitt erweitern

Das gelingt ihr teilweise sehr gut, teilweise weniger. Nightschool biete einige kreative Einfälle und nette Details, krankt aber an der Vielzahl der Charaktere und Nebenhandlungen, sodass die Konzentration auf das Wesentliche und die genauere Charakterisierung der Hauptcharaktere nicht so ganz stattfindet. Äußerst unterhaltsam wird der Manga aber trotzdem dadurch, dass Chmakova ihre Handlung mit einer gehörigen Portion Selbstironie bereichert. Einer der Höhepunkte des ersten Bandes ist etwa der Auftritt eines Menschenmädchens, das großer Vampirfan ist und sich so für die Emanzipation von Vampiren in der Gesellschaft einsetzt – was sich etwa darin zeigt, dass sie sich von einem Casanova-haften Vampir verführen lässt und mit großer Leidenschaft ihr Blut spendet.

Die Zeichnungen wirken stellenweise durch übertriebenen Einsatz von Rasterfolie zu künstlich, zeigen aber ein Talent für individuelle Figurengestaltung sowie Komposition und tragen gerade durch die Größenverhältnisse und die Aufteilung der Panels zu einem großen Teil der Spannung, die Nightschool auszeichnet, bei. Vielleicht hätte Svetlana Chmakova ihre Serie lieber zur Gänze in Farbe gestaltet – abgeneigt muss man dieser Möglichkeit jedenfalls nicht sein, wenn man die Qualität der am Computer kolorierten Farbseiten die am Beginn des zweiten Kapitels abgedruckt sind, und des Titelbildes, das Alex und ihr schattiges Haustier zeigt, beachtet.
FAZIT:
Da die Serie durchaus die ein oder andere Schwäche aufzuweisen hat – zu nennen wäre der nicht nachvollziehbar schnelle Fortschritt der Handlung bei ständigen Nebenhandlungen und der Einführung neuer Nebenfiguren –, mag Nightschool kein Meisterwerk sein. Svetlana Chmakova hat aber durchaus das Zeug dazu, in Zukunft noch viel qualitätvolles Material aus ihrer charmanten Feder zu präsentieren. Mit Nightschool ist ein unterhaltsamer und zum Glück auch humorvoller Comic erschienen, den sich Liebhaber von Buffy oder Harry Potter näher ansehen sollten.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

NIGHTSCHOOL © 2009 Svetlana Chmakova
Deutsche Ausgabe © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2009

von Shiohigari    

Nightschool - Verpackung
-- 8.5 --
» KOMMENTARE (1)
  • Originaltitel:
  • Art/Typ:
    Taschenbuch
  • Genre:
    Fantasy, Shoujo
  • Bände:
    3, ca. 196 Seiten pro Band
  • ISBN:
    978-3-86719-842-4
  • Produktionsjahr:
    2008
  • Manga Release:
    Deutscher Release 25.11.2009
Bewertung
  Zeichnung
 
  Story
 
  Charaktere
 
  Tiefgang
 
Gesamtwertung:     7
Bewertung
Freigegeben ab 13 Jahren