The Collection – Hino Horror Nr. 4 - Review
EINLEITUNG:
Mit dem vierten Band der Werkreihe Hino Horror brachte Schreiber & Leser einen etwas aus der Reihe stechenden Comic heraus, da hier der Bezug zum Mangaka Hideshi Hino noch direkter ist als in den drei vorderen Bänden. In The Collection übernimmt Hino selbst die Hauptrolle. Er fungiert, ähnlich wie schon die schwarze Katze im dritten Band Black Cat, als Erzähler und führt durch verschiedene Kurzgeschichten…
Hino stellt sich vor
Hino stellt sich vor
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Der japanische Manga-Zeichner Hideshi Hino hat ungewöhnliche Vorlieben: er sammelt verschiedenste Dinge aus seiner Vergangenheit und verstaut diese in einem privaten Museum obskurer Gegenstände. Zu jedem dieser Gegenstände gibt es eine Geschichte zu erzählen.

Da wäre zum Beispiel der recht antik aussehende Spiegel, dessen Besitzerin zum Zeitpunkt der Geschichte ein kleines, pummliges Schulmädchen ist, das von Gleichaltrigen stets nur gehänselt und tyrannisiert wird. Das Mädchen wird zum extremen Außenseiter, ohne einen einzigen Freund verbleibend, und wendet sich stattdessen der Fauna zu – mit Tieren versteht sie sich blendend. Als sie eines Tages wieder in einen Clinch mit ihren Eltern und ihrer Schwester gerät, die sie ebenso wie die anderen stets nur fertig machen, wünscht sie sich vor dem Spiegel, in dem man im Übrigen vor lauter Schmutz das eigene Spiegelbild nicht erkennen kann, ihre Familie solle verschwinden. Prompt werden die Eltern auf minimale Größe geschrumpft und auf grausamste Weise von ihren Haustieren verschlungen. Das Mädchen findet mit der Zeit doch noch einen Freund in einem Jungen im selben Alter – Hideshi Hino, den sie später heiratet und mit dem sie nun das Museum führt.

Hino erzählt nicht nur Geschichten zu Gegenständen, sondern auch zu Hautfetzen und einem verstorbenen Embryo im Reagenzglas. Der Hautfetzen zeigt ein Spinnentattoo, das sich ursprünglich einmal auf dem Rücken von Hinos Vater befunden hat, während der Embryo Hinos ungeborener Bruder ist. Hino hat seine Mutter durch einen Trick in den Tod gestürzt, wobei jedoch gleichzeitig eben das Kind im Bauch der Mutter umgekommen ist. Während ihm der Tod der Mutter gleichgültig ist – er erfreut sich höchstens an der Ästhetik des verfaulenden Körpers –, fühlt er sich für den Tod des unschuldigen, kleinen Bruders verantwortlich und will diese Tat nun büßen, indem er dem toten Embryo die Welt zeigt…

The Collection hat bis auf den Erzähler Hideshi Hino keinen roten Faden. Zwar ist es eine witzige Idee, dass der Mangaka sich selbst in den Mittelpunkt stellt und seine angebliche Familiengeschichte stets mit einem selbstironischen Augenzwinkern präsentiert, doch ist es weit weniger spannend und schockierend, wenn man bereits den ersten Band Red Snake kennt, in dem teilweise ganz ähnliche Charaktere vorkommen – die Figur der Großmutter, die ein Ei legen will, und die des Großvaters mit den abartigen Furunkeln sind identisch. Dem vierten Band fehlen die Komplexität und die unheimliche Atmosphäre, die Hino noch in Red Snake mit großem Können unter Beweis gestellt hat.

Indem er sich selbst etwa als Mörder seiner Mutter und als anschließend obsessiver Beobachter des Kadavers der Mutter darstellt, zeigt Hino erstmals offen einen psychologischen Bezug, der bereits in den vorderen Bänden spürbar war. Auch in The Collection gelingt es ihm, die Andeutungen an das eigene Leben geschickt mit extrem übertriebenen Handlungen und mit einer interessanten Symbolik zu verschleiern.

The Collection ist der vorerst letzte Band der Hino-Reihe. Schreiber & Leser wird voraussichtlich keine weiteren Werke des Horror-Meisters in deutscher Übersetzung herausbringen. Schade ist diese Entscheidung vor allem auch, weil es von The Collection noch einen zweiten Band zu verlegen gäbe.
Hino und der Embryo
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Wir bedanken uns bei Schreiber & Leser für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!
FAZIT:
Der vierte und voraussichtlich letzte Band von Hino Horror ist blutiger als die vorderen, in seiner Wirkung aber weniger brutal, weil er weit weniger komplex ist und dem Leser durch die Kürze nicht die Chance gibt, sich richtig mit den Figuren zu identifizieren. Das war aber wohl auch nicht die Absicht Hideshi Hinos: The Collection will dem Leser die Absurdität des Horrors (verkörpert durch die Figur des Zeichners selbst) vorführen und ihm gleichzeitig eben jenen Horror bieten – was ihm durchaus gelingt. Fans der vorherigen Bände werden auch hier ihre Freude finden, Neueinsteigern in die Welt des Horror-Meisters, dessen Werke man nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss, seien aber eher die Bände Red Snake oder Bug Boy empfohlen.

© 1985, 2004, 2006 Hideshi Hino represented by DH Publishing, Inc.
© 2007 Verlag Schreiber & Leser

von Shiohigari    

The Collection – Hino Horror Nr. 4 - Verpackung
-- 7.6 --
» KOMMENTARE (1)
  • Originaltitel:
  • Deutscher Titel:
    The Collection - Hino Horror Nr. 4
  • Japanisch Kanji:
    Mコレクション
  • Art/Typ:
    Hardcover
  • Genre:
    Horror, Drama
  • Bände:
    2, ca. 190 Seiten pro Band
  • ISBN:
    9783937102771
  • Produktionsjahr:
    1995-1996
  • Manga Release:
    Deutscher Release 00.00.0000
Bewertung
  Zeichnung
 
  Story
 
  Charaktere
 
  Tiefgang
 
Gesamtwertung:     6.75
Bewertung
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