Der Leser kann das Grauen hier in sich selbst entdecken. Im weiteren Verlauf der Handlung wird Sanpei durch die ständige Einsamkeit gar zum skrupellosen, unmenschlichen Mörder – und trotzdem ist er weiter jene Person, mit der sich der Leser identifizieren soll. Vielleicht ist der Manga gerade dadurch erschreckender als gewöhnliche Horrorcomics.

Bei
Bug Boy drängt sich ein literarischer Vergleich auf. Dass ein in ein Insekt verwandelter Mensch, in ein Zimmer eingesperrt, mit seiner neuen Situation klar kommen muss und gleichzeitig in starkem Konflikt zu seiner Familie steht, erinnert stark an Franz Kafkas Erzählung
Die Verwandlung. Wird die Familie bei Kafka facettenreicher geschildert, konzentriert sich Hino (wie etwa auch der deutsche Comiczeichner Sascha Hommer in seinem Band
Insekt) vor allem auf die nüchterne Schilderung des Werdegangs Sanpeis und dessen Außenseitertum. Bei
Bug Boy ist die Familie, bis auf die Schwester, die ab und zu Mitleid für ihren Bruder empfindet, durchgehend ablehnend gegenüber Sanpei und wird dadurch negativ und egoistisch gezeichnet. Vater und Mutter loben oder unterstützen ihren Sohn nie, sondern kritisieren nur seine schlechten Noten und der ältere Bruder hat nach Sanpeis Verwandlung nur die Sorge, dass er durch den Gestank des Bruders kaum die Möglichkeit finden wird, für die Schule zu lernen.
Hinos avantgardistischer Zeichenstil ist in diesem Band noch weitaus weniger gereift. Zwar hat auch hier der Protagonist die charakteristischen großen, blutunterlaufenen Augen, aber die anderen Figuren sind einfacher und weniger interessant gezeichnet. Auch der Einsatz von Schraffuren und von Schwarzflächen ist bei
Bug Boy noch nicht auf seinem Höhepunkt, die Panelaufteilung ist sehr traditionell gehalten. Dennoch ist etwa in der Gestaltung des Wurmes die bizarre Ader des Zeichners stark spürbar.
Die deutsche Veröffentlichung ist erneut aus dem Englischen übersetzt, liest sich aber flüssig und bietet ein Nachwort des Herausgebers. Der Druck und die Gestaltung des Covers sind, wie bei Schreiber & Leser üblich, gut gelungen.
Wir bedanken uns bei
Schreiber & Leser für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!