Der Selbstmordclub - Review
EINLEITUNG:
Der Selbstmordclub erschien 2006 im Schreiber und Leser Verlag und ist eine der wenigen Mangaveröffentlichungen des Verlages. Der Verlag veröffentlichte bereits Mangas wie "Crying Freeman" oder "Blue", nun erschien ein weiterer Einzelband, dieses mal von Usamaru Furuya. Der Mangaka ist fĂŒr seine unglaublich vielseitigen Arbeiten bekannt, die sich von Humor bis Weltuntergang erstrecken können, ebenso zeichnet er sowohl fĂŒr große, als auch fĂŒr kleine Underground- Verlage. Der Selbstmordclub erschien 2002 und ist eines seiner dĂŒsteren Werke.
31. Mai 2001, 54 MĂ€dchen stellen sich nebeneinander am Bahnsteig auf. An den HĂ€nden haltend zĂ€hlen sie bis drei und als schließlich ein Zug einfĂ€hrt springen sie alle gemeinsam und werfen sich vor den Zug. Dieses Ereignis lĂ€sst nicht nur geschockte und fassungslose Zeugen zurĂŒck, sondern auch ein 18- jĂ€hriges MĂ€dchen, welches das grausame UnglĂŒck wie durch ein Wunder fast unversehrt ĂŒberlebt. Ihr Name ist Saya und sofort geht die Nachricht ihres Überlebens durch die Nachrichten.
Saya
Der Massenselbstmord jedoch bleibt ungeklĂ€rt und als das neue Schuljahr beginnt ist Saya sofort das GesprĂ€chsthema Nummer 1. Ihre beste Freundin Kyoko ist sowohl geschockt als auch verunsichert. Sie spĂŒrt eine VerĂ€ndeurng in ihrer besten Freundin, die sie sich nicht erklĂ€ren kann. Nahezu tĂ€glich verĂ€ndert sich das MĂ€dchen und Kyoko beschließt dem RĂ€tsel auf den Grund zu gehen, um zu verstehen, was diese Änderung in Saya hervorruft.
Saya und Kyoko
Saya und KyokoBildausschnitt erweitern

Sie stĂ¶ĂŸt hierbei auf einen Club, dem Saya beigetreten ist und lernte dort ein MĂ€dchen namens Mitsuko kennen, die den Club leitete. Seither ging es Saya besser, sie wirkte glĂŒcklich und zufireden, geriet jedoch in einen Kreislauf aus Schmerz und Prostitution, aus dem sie sich selbst nicht befreien konnte. WĂ€hrend Kyoko einen Freund fand und sich um sich selbst kĂŒmmerte, ließ sie ihre Freundin zurĂŒck, die sich in Mitsukos Club flĂŒchtete und dort Seelenverwandte fand, die ihr Leid teilten. Die ĂŒbermĂ€ĂŸige Ausstrahlung Mitsukos und ihr scheinbares VerstĂ€ndnis fĂŒr die geschĂ€ndeten Seelen wird wie ein Magnet fĂŒr die jungen Frauen, die wie Ertrinkende nach jedem Strohhalm greifen.
Viele MĂ€dchen haben schlimmes erlebt, sind traumatisch von ihrer Vergangenheit geschĂ€digt udn finden keinen Platz in dieser Welt, die so grausam erscheint. Mitsukos Versprechungen und Worte sind wie balsam, auch fĂŒr Saya, die selbst eine schwere Kindheit hatte und der es schwer fĂ€llt anderen Leuten zu vertrauen.
Saya und Kyoko

Kyoko trifft in ihren Nachforschungen auf einen Lehrer, der mehr zu wissen scheint, und nach einigem Zögern entscheidet sie sich seinen AusfĂŒhrungen zu Mitsuko und Saya zuzuhören und trifft sich mit ihm kurz nach Mitternacht in seiner Wohnung. Was Kyoko dort erfĂ€hrt Ă€ndert schlagartig ihre gesamte Sicht und sie muss feststellen, dass es weit mehr mit dem unbekannten Club auf sich hat, als es den Anschein hat. Der Lehrer selbst kannte Mitsuko, hatte das MĂ€dchen als SchĂŒlerin und ging damals dem RĂ€tsel auf die Spur, um herauszufinden, was mit der SchĂŒlerin passierte. Kyoko erfĂ€hrt, dass eben jene Mitsuko selbst einmal Überlebende eines Massenselbstmordes war, bei dem sich 4 SchĂŒlerinnen mit Schlaftabletten vergiften wollten. Doch viel gravierender udn schockierender ist die Tatsache, dass dieses MĂ€dchen gar nicht Mitsuko heißt, sondern diesen Namen erst spĂ€ter angnommen hat.

Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als Saya beginnt SchĂŒler um sich zu scharen und sich sogar "Mitsuko" nennt. Doch was ist genau das Geheimnis "Mitsukos" und was genau hat es mit dem Club auf sich, den mehr Mysteriöses umgibt als es den Anschein hat...
FAZIT:
Der Selbstmordclub ist ein kleines Meisterwerk in sich. Die Geschichte ist fesselnd, sehr gut durchdacht und lĂ€sst einen kaum eine Möglichkeit das Buch aus den HĂ€nden zu legen. Die Geschichte ist zu Beginn noch erzĂ€hlend udn berichtend, i Laufe der Geschichte wird sie aber mehr aus Kyokos Sicht erzĂ€hlt. Man erfĂ€hrt ĂŒber sie von der Kindheit der beiden MĂ€dchen, ihrem engen Verbund und ihrer Freundschaft. Die Story ist durch eingeschobene Erinnerungen immer wieder unterbrochen, die jedoch vieles erklĂ€ren und gerade Sayas Absturz genau beschreiben. Kyoko, die ihr helfen will wird ĂŒberzeugend und plausibel dargestellt, ebenso alle anderen Charaktere, die fesselnd in Szene gesetzt sind.

Die Zeichnungen sind realistisch, nicht unbedingt typisch Manga und recht einfach und klar gehalten. Rasterfolie wird nur spĂ€rlich eingesetzt, dennoch wirken die zeichnungen nicht dĂŒster oder dunkel, was eigentlich der fall sein sollte, sondern klar und hell. Dennoch passen sie gut zu der Geschichte, haben in sich eine unheimliche Ausstrahlung und AtmosphĂ€re, die ĂŒberraschend gut zu der Geschichte passt. Trotz des gegensatzes von Geschichte und Zeichnungen ziehen sich diese beiden Dinge geradezu magisch an und verbinden sich zu einem einzigartigen Werk.
Usamaru Furuya verzichtet weitestgehend auf HintergrĂŒnde, konzentriert sich vollkommen auf die Mimiken und Gestiken der Charaktere und auf die Dialoge. Wenn HintergrĂŒnde vorhanden sind, so sind sie detailliert, genau und sehr schön ausgearbeitet. FĂŒr den Leser entsteht eine faszinierende Symbiose zwischen Text und Bild.

Der Manga als solcher ist definitiv Ă€lterem Publikum zu empfehlen. Die Geschichte ist komplex und teilweise brutal genau erzĂ€hlt, berichtet ĂŒber den Massenselbstmord von OberschĂŒlerinnen in Japan und ist teilweise mit Horror udn Mystik gewĂŒrzt. Keine leichte Kost, man sollte sich mit dem Lesen Zeit lassen und auch die Bidler auf sich wirken lassen, die mehr sagen können als viele aufwendige Mangabilder anderer KĂŒnstler. Weniger ist manchmal mehr kann man zu den Zeichnungen sagen, bei der Geschichte kann man Parallelen zu Dragonhead oder Redrum ziehen, die in eine Ă€hnliche Richtung schlagen.

Wer weg vom Shojo und dem ĂŒblichen Einheitsbrei an Mangas will wird unterdessen in Deutschland immer mehr fĂŒndig. Der "Selbstmordclub" ist in dieser Richtung eine mehr als lohnende Anschaffung und jeden Cent wert.

von Koriko    

Der Selbstmordclub - Verpackung
-- 8.5 --
» KOMMENTARE (4)
  • Originaltitel:
  • Deutscher Titel:
    Der Selbstmordclub
  • Japanisch Kanji:
    è‡Șæźșă‚”ăƒŒă‚Żăƒ«
  • Alternativtitel:
    Suicide Circle
  • Art/Typ:
    Softcover
  • Genre:
    Psycho, Schule, Drama
  • BĂ€nde:
    1, ca. 165 Seiten pro Band
  • Produktionsjahr:
    2002
  • Manga Release:
    Deutscher Release 00.00.0000
Bewertung
  Zeichnung
 
  Story
 
  Charaktere
 
  Tiefgang
 
Gesamtwertung:     9.25
Bewertung
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