Während Hei von dem Blondschopf eher genervt zu sein scheint, bilen die Zuschauer im Netz diverse »Burger-kun«-Communities. Selten wurde einem einminütigen Statisten-Auftritt so viel Aufmerksamkeit zuteil. Spektakuläre und rasante Zweikämpfe liefert sich Hei zudem mit einem weiblichen Contractor, deren Contract Payment darin besteht, Männer zu küssen, obwohl ihr dies zuwider ist.
Lediglich wenn diese beiden Kontrahenten aneinander geraten, finden sich Geschwindigkeit und Animationskunst auf hohem Niveau auf dem TV-Bildschirm wieder. Meist stehen die Figuren während des Kampfes eher in der Gegend herum und lassen ihre Fähigkeiten den Rest erledigen. Schusswaffen und Insektenschwärme kommen hier dem Geldbeutel des Produktionsstudios zugute, das merklich weniger Geld in die Fortsetzung pumpte.
Im Gegensatz zur Action-Sparflamme wissen die beeindruckenden Settings des Art-Directors Takashi Aoi dank großem Detailreichtums zu überzeugen. Die realistische Farbgebung erinnert an die der ersten Staffel. Jedoch kann sich die Serie auch hier einigen Kürzungen nicht erwehren. So bleiben die Hintergründe meist unbewegt und treten wiederholt in Szene. Den ersten 26 Episoden hinkt das Sequel
Ryusei no Gemini dadurch leider streckenweise hinterher, liegt jedoch zu jeder Zeit im guten Animationsdurchschnitt.
Auf musikalischer Ebene trifft der Zuschauer sowohl auf alte Bekannte als auch auf einige Neuerungen. Einmal mehr mit von der Partie ist die japanische Band Abingdon Boys School, die der Hauptserie
Darker Than Black bereits den rockigen Opening-Song
Howling beisteuerte. Diesmal gehen es die Musiker etwas ruhiger an. Ihr Titel
From Dusk Till Dawn schenkt der Ending-Sequenz die
DTB-typische Atmosphäre, die stets zwischen Sehnsucht und Hoffnung schwankt.
Im Opening schlägt die 2007 gegründete Band Stereopony neue Töne an. Komplett losgelöst vom bisherigen Serienkonzept rockt Sängeri Aimi zu munteren E-Gitarren- und Schlagzeug-Beats melodisch ab. Ihre fünfte Single
Tsukiakari no Michishirube zaubert entgegen der musikalischen
DTB-Einlagen ein ungewohntes Lächeln auf das Gesicht des Zuschauers. Stereoponys flippiger Pop-Song steht dabei im starken Kontrast zum für die erste Serien-Staffel typischen morbide-rücksichtslosen Rock-Opening, das mit den Worten »Now I’ve lost it. I know I can kill.« in die Welt der mitleidlosen Finsternis geleitete. Wer genau hinhört, erkennt, dass es sich bei den Künstlern um dieselben handelt, die auch das 17. Ending zum
Bleach-Anime beisteuerten, das den Titel
Hitohira no Hanabira trägt.
Wer auf den unverwechselbaren Stilmix der
Wolf’s Rain- und
Ghost in the Shell - Stand Alone Complex-Komponistin Yoko Kanno schwört, wird mit dem Score der
Darker Than Black-Fortsetzung
Ryusei no Gemini zunächst seine Schwierigkeiten haben. Komponist Yasushi Ishii schwört auf Technoeinlagen und einschlägige Breakbeats. Die Neuerung im Soundtrack-Sektor hinterlässt trotzdem einen bleibenden Eindruck. Besonders der aus hallendem Techno, schnellem Trance und hartem Elektro gemischte Ohrenfetzer
Savage Dog Cerberus, der Hei in allen seinen Kampfszenen unterstützt, geht unter die Haut.
Ein kleiner Wermutstropfen ist Ishiis nahezu kompletter Verzicht auf den Einsatz klassischer Instrumente sowie melancholisch-langsamer Melodien, die in der ersten Staffel zur dichten Atmosphäre beitrugen. Die Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit, die Yoko Kanno in Glanzstücken wie
Kuro zum Ausdruck brachte, kann Ishii leider nicht bieten. So bleiben die Titel meist austauschbar und im üblichen Durchschnitt. Teilweise erinnern die rockigen Titel mit E-Gitarren-Einsatz im Vorder- und männlichem Gesang im Hintergrund an den unverwechselbaren Stil des
Hellsing-Soundtracks, was kein Zufall ist, schließlich war Yasushi Ishii auch für die Klänge der blutigen Vampirserie verantwortlich.
Die Nähe zum
Hellsing-Universum lässt sich auch im Character-Design wiederfinden. Zwar bleibt dieses dank Takahiro Komori seiner Schöpfungen nach Originalentwürfen von Yuji Iwahara auch in der zweiten Staffel treu, brigt in der Figur Shion jedoch auffallende Ähnlichkeiten zu gleich zwei Protagonisten der Gore-lastigen Horror-Serie mit ein. Das süße Mädchen ginge dem Aussehen und Verhalten nach glatt als Tochter des
Hellsing-Dreamteams Seras Victoria und Pip Bernadotte durch: Bewaffnet mit rosa Haarpracht, geflochtenem Zopf, Präzisionsgewähr und kindlicher Naivität weist sie viele Parallelen zum berühmten Killergespann auf. Blutig ist
Darker Than Black 2 dank gewissenloser Protagonisten zwar ebenfalls, wird jedoch in keinem Moment von Splatter oder Gore bestimmt.
Während am 21. Juli der vierte und letzte Teil der in Japan aktuell heiß diskutierten OVA
Darker Than Black: Kuro no Keiyakusha – Gaiden in den Handel kommt, müssen sich deutsche Fans weiterhin in Geduld üben. Weder die zweite Staffel, noch die OVA, die erzählt, was zwischen der ersten und zweiten Staffel mit Hei und Yin geschah, steht im Moment auf den To-Do-Listen der hiesigen Anime-Label. Bis sich ein Publisher den Contract mit dem japanischen Lizenzgeber eingeht, werden die aus der ersten Staffel offengebliebenen Fragen hierzulande weiterhin unbeantwortet bleiben.