Darker Than Black: Ryusei no Gemini - Review
EINLEITUNG:
Darker Than Black-Fans müssen derzeit ganz stark sein. Obwohl die 26-teilige Anime-Serie im vergangenen Jahr komplett vom hiesigen Label Panini Video veröffentlicht wurde, sieht es mit Nachschub derzeit – titelgetreu – dunkler als schwarz aus. Während Panini seine Produktion Anfang des Jahres einstellte und den Vertrieb seiner Titel an den Händler Nipponart abtrat, gönnte man einer der erfolgreichsten Mystery-Serien des Studios BONES in Japan eine Fortsetzung. Unter dem Titel Darker Than Black: Ryusei no Gemini lief das auf insgesamt zwölf Episoden ausgelegte Sequel im Oktober vergangenen Jahres in der Erstausstrahlung auf dem TV-Sender MBS. Auch wenn sich bisher kein hiesiger Publisher für die Serie gefunden hat, möchten wir sie euch keinesfalls vorenthalten.

An dieser Stelle weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die zweite Staffel für all jene, die die ersten 26 DTB-Episoden noch nicht kennen, Spoiler aufweist!

Absolut tötdlich, trotz sichtbarer Veränderung: Black Reaper
Zur Vorgeschichte: Nach dem Auftauchen der beiden Kraftfelder Heaven’s Gate und Hell’s Gate in Südamerika und im japanischen Tokyo verändert sich die Welt: Der reale Sternenhimmel weicht einer Fälschung, die neuen Himmelskörper erstrahlen als Lebenssterne für die sogenannten Contractors – Wesen mit besonderen Fähigkeiten, deren Auftauchen mit dem Erscheinen der beiden Kraftfelder einhergeht.

Die Gefühle der einstigen Menschen wiechen mit der Erringung ihrer besonderen Begabung dem rationalen Denken, was die Contractors dazu befähigt, stets auf den eigenen Vorteil bedacht zu handeln. Kaltblütige Morde sind dabei weniger eine bittere Begleiterscheinung als mehr die Sicherung der eigenen Existenz. So werden Contractors von verschiedenen Geheimorganisationen wie der CIA und dem britischen MI6 rekrutiert, um die eigenen Interessen mit Nachdruck an zumeist ausländische Interessengemeinschaften zu bringen.

Ist Yin für Heis Zustand verantwortlich?
Ist Yin für Heis Zustand verantwortlich?
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Als einer von ihnen arbeitet der Chinese Hei im ersten Teil der düsteren Mystery-Serie für ein mächtiges Syndikat, stell sich diesem jedoch entgegen, als es am Tokyoter Hell’s Gate zu einem folgenschweren Zwischenfall kommt. Zeitgleich mit den Ereignissen am Gate beobachten die Zwillinge Suo und Shion Pavlichenko im verschneiten Sibirien die unzähligen Sterne, die beim Tod der im Hell’s Gate kämpfenden Contractors vom Himmel fallen.

Einer der todbringenden Meteore schlägt ausgerechnet an dem Ort der trauten Beobachter-Zweisamkeit ein. Shion überlebt schwerverletzt, verliert ein Auge und gewinnt die Fähigkeiten eines Contractors. Fortan sitzt der Junge im Rollstuhl, denn der Einsatz seiner Fähigkeiten fordert ihren Tribut. Als nun ausschließlich nach logischem Denken handelnder Contractor entfernt er sich immer weiter von seiner Schwester, die unverletzt geblieben war.

Suo weiß sich zu wehren

Zwei Jahre später beobachtet Suo gerade vergnügt, wie sich ihre beste Freundin Tanya und ein Schüler aus dem älteren Jahrgang ihre Gefühle gestehen, als sich die Ereignisse urplötzlich überschlagen: Agenten des russischen Geheimdienstes KGB stürmen das verschneite Wladiwostok und überfallen die Familie Pavlichenko. Suo muss mit ansehen, wie ihr Vater von einem maskierten Contractor brutal ermordet wird und flieht Hals über Kopf in den Wald hinter dem Grundstück. Dort entbrennt ein Kampf um das Meteorfragment, das sie von ihrem Bruder erhielt. Schockiert sucht Suo das Weite, jedoch wird sie vom maskierten Mann in schwarz verfolgt. Eine grausame Jagd beginnt …

Hei schützt Suo nicht aus Selbstlosigkeit

Man merkt es schon: In Ryusei no Gemini, was in etwa Die Zwillinge des Meteors bedeutet, setzt der DTB-Schöpfer und Regisseur Tensai Okamura neue Schwerpunkte. Der eiskalte Killer Hei tritt den Part der Hauptfigur an die mit 13 Jahren äußerst junge zukünftige Killerin Shion ab. Im gesamten Serienverlauf dient er ihr eher als Sprungbrett in die grausame Welt der Contractors.

Fanservice wird entsprechend eher den männlichen Zuschauern geboten. Hinzu kommt, dass der todbringende Joker fast den gesamten Staffelverlauf als abgewrackter Trinker zu sehen ist, der weniger mit actiongeladenen Kämpfen als mehr damit beschäftigt ist, die kleine Suo für jeden noch so kleinen Fehler zu schlagen. Denn nachdem Hei begreift, dass die Zielperson Shion, die er zu verfolgen glaubt, in Wahrheit dessen Schwester Suo ist, nimmt er sich ihrer an, um so an ihren Bruder zu gelangen.

\"Immer brav lächeln\" - Hei erläutert die Vorzüge der Schauspielerei

Dass Suo früher oder später selbst zum Contractor wird, ist nicht verwunderlich, und so geht sie bei Meister Hei sozusagen in die Killer-Lehre – keine leichte Sache, bedenkt man, dass der ehemalige Attentäter des mächtigen Syndikats in den vergangenen zwei Jahren durch die Hölle gegangen ist und jeglichen Funken Menschlichkeit verloren hat. Der erschöpfte Ex-Soldat nimmt die kleine Suo kurzerhand mit nach Japan, wohin Shion geflohen zu sein scheint. Auf dem Weg aus dem kalten Russland ins ebenso eisige Japan schließen sich dem ungleichen Paar zwei bekannte Figuren an. Während Hei Suo in der Schnell-Ausbildung gewaltsam klarmacht, wer in ihrer Lehrer-Schüler-Beziehung das Sagen hat, beginnt das Mädchen, ihren Ausbilder und Mörder ihres Vaters immer mehr zu hassen. Durch die Spannungen zwischen beiden Kämpfern, die niemals wirklich zu Contractorn wurden, bleibt die gut durchdachte Handlung der Serie unvorhersehbar, sodass jede Episode mit größter Spannung aufwartet.

Dem zum Trotz gestalten sich die Kämpfe zwischen Contractors in diesem Höllenritt von Russland nach Japan meist wenig spektakulär. Im Gegensatz zum leichten Rückgang des Actionfaktors sind die Figuren selber erneut einfallsreich und detailliert gestaltet. Genma Shizume, der im Storyverlauf mit Misaki Kirihara im Fall BK-210 ermittelt, erinnert an die glanzvollen Auftritte des MI6-Dandys November 11 und sorgt für viele heitere Momente. Auch bei anderen Contractors gibt es einiges zu sehen: Ein russischer Attentäter, der sich kurzzeitig schneller bewegen kann als der ihn verfolgende Kugelhagel, muss sofort nach Einsatz seiner Fähigkeit einen Hamburger verschlingen, bringt nicht nur das weibliche Publikum zum grinsen.

Auch dieser Contractor hat keine sonderlich hohe Lebenserwartung




Während Hei von dem Blondschopf eher genervt zu sein scheint, bilen die Zuschauer im Netz diverse »Burger-kun«-Communities. Selten wurde einem einminütigen Statisten-Auftritt so viel Aufmerksamkeit zuteil. Spektakuläre und rasante Zweikämpfe liefert sich Hei zudem mit einem weiblichen Contractor, deren Contract Payment darin besteht, Männer zu küssen, obwohl ihr dies zuwider ist.

Lediglich wenn diese beiden Kontrahenten aneinander geraten, finden sich Geschwindigkeit und Animationskunst auf hohem Niveau auf dem TV-Bildschirm wieder. Meist stehen die Figuren während des Kampfes eher in der Gegend herum und lassen ihre Fähigkeiten den Rest erledigen. Schusswaffen und Insektenschwärme kommen hier dem Geldbeutel des Produktionsstudios zugute, das merklich weniger Geld in die Fortsetzung pumpte.

Actiongeladene Fights sind in DTB 2 rar gesäht

Im Gegensatz zur Action-Sparflamme wissen die beeindruckenden Settings des Art-Directors Takashi Aoi dank großem Detailreichtums zu überzeugen. Die realistische Farbgebung erinnert an die der ersten Staffel. Jedoch kann sich die Serie auch hier einigen Kürzungen nicht erwehren. So bleiben die Hintergründe meist unbewegt und treten wiederholt in Szene. Den ersten 26 Episoden hinkt das Sequel Ryusei no Gemini dadurch leider streckenweise hinterher, liegt jedoch zu jeder Zeit im guten Animationsdurchschnitt.

Auf musikalischer Ebene trifft der Zuschauer sowohl auf alte Bekannte als auch auf einige Neuerungen. Einmal mehr mit von der Partie ist die japanische Band Abingdon Boys School, die der Hauptserie Darker Than Black bereits den rockigen Opening-Song Howling beisteuerte. Diesmal gehen es die Musiker etwas ruhiger an. Ihr Titel From Dusk Till Dawn schenkt der Ending-Sequenz die DTB-typische Atmosphäre, die stets zwischen Sehnsucht und Hoffnung schwankt.

Körperpflege? Für Hei im Moment ein No-Go.

Im Opening schlägt die 2007 gegründete Band Stereopony neue Töne an. Komplett losgelöst vom bisherigen Serienkonzept rockt Sängeri Aimi zu munteren E-Gitarren- und Schlagzeug-Beats melodisch ab. Ihre fünfte Single Tsukiakari no Michishirube zaubert entgegen der musikalischen DTB-Einlagen ein ungewohntes Lächeln auf das Gesicht des Zuschauers. Stereoponys flippiger Pop-Song steht dabei im starken Kontrast zum für die erste Serien-Staffel typischen morbide-rücksichtslosen Rock-Opening, das mit den Worten »Now I’ve lost it. I know I can kill.« in die Welt der mitleidlosen Finsternis geleitete. Wer genau hinhört, erkennt, dass es sich bei den Künstlern um dieselben handelt, die auch das 17. Ending zum Bleach-Anime beisteuerten, das den Titel Hitohira no Hanabira trägt.

Wer auf den unverwechselbaren Stilmix der Wolf’s Rain- und Ghost in the Shell - Stand Alone Complex-Komponistin Yoko Kanno schwört, wird mit dem Score der Darker Than Black-Fortsetzung Ryusei no Gemini zunächst seine Schwierigkeiten haben. Komponist Yasushi Ishii schwört auf Technoeinlagen und einschlägige Breakbeats. Die Neuerung im Soundtrack-Sektor hinterlässt trotzdem einen bleibenden Eindruck. Besonders der aus hallendem Techno, schnellem Trance und hartem Elektro gemischte Ohrenfetzer Savage Dog Cerberus, der Hei in allen seinen Kampfszenen unterstützt, geht unter die Haut.

Ein kleiner Wermutstropfen ist Ishiis nahezu kompletter Verzicht auf den Einsatz klassischer Instrumente sowie melancholisch-langsamer Melodien, die in der ersten Staffel zur dichten Atmosphäre beitrugen. Die Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit, die Yoko Kanno in Glanzstücken wie Kuro zum Ausdruck brachte, kann Ishii leider nicht bieten. So bleiben die Titel meist austauschbar und im üblichen Durchschnitt. Teilweise erinnern die rockigen Titel mit E-Gitarren-Einsatz im Vorder- und männlichem Gesang im Hintergrund an den unverwechselbaren Stil des Hellsing-Soundtracks, was kein Zufall ist, schließlich war Yasushi Ishii auch für die Klänge der blutigen Vampirserie verantwortlich.

Nicht unbedingt freiwillig arbeitet Misaki mit dem Dandy Genma zusammen

Die Nähe zum Hellsing-Universum lässt sich auch im Character-Design wiederfinden. Zwar bleibt dieses dank Takahiro Komori seiner Schöpfungen nach Originalentwürfen von Yuji Iwahara auch in der zweiten Staffel treu, brigt in der Figur Shion jedoch auffallende Ähnlichkeiten zu gleich zwei Protagonisten der Gore-lastigen Horror-Serie mit ein. Das süße Mädchen ginge dem Aussehen und Verhalten nach glatt als Tochter des Hellsing-Dreamteams Seras Victoria und Pip Bernadotte durch: Bewaffnet mit rosa Haarpracht, geflochtenem Zopf, Präzisionsgewähr und kindlicher Naivität weist sie viele Parallelen zum berühmten Killergespann auf. Blutig ist Darker Than Black 2 dank gewissenloser Protagonisten zwar ebenfalls, wird jedoch in keinem Moment von Splatter oder Gore bestimmt.

Während am 21. Juli der vierte und letzte Teil der in Japan aktuell heiß diskutierten OVA Darker Than Black: Kuro no Keiyakusha – Gaiden in den Handel kommt, müssen sich deutsche Fans weiterhin in Geduld üben. Weder die zweite Staffel, noch die OVA, die erzählt, was zwischen der ersten und zweiten Staffel mit Hei und Yin geschah, steht im Moment auf den To-Do-Listen der hiesigen Anime-Label. Bis sich ein Publisher den Contract mit dem japanischen Lizenzgeber eingeht, werden die aus der ersten Staffel offengebliebenen Fragen hierzulande weiterhin unbeantwortet bleiben.

In dieser Truppe vertraut niemand dem anderen
FAZIT:
In Darker Than Black: Ryusei no Gemini setzt Regisseur Tensai Okamura eine der erfolgreichsten Mystery-Serien des renommierten Animationsstudios BONES fort. Mit neuen Figuren, einer äußerst jungen Protagonistin und einem gefallenen Helden geht das actiongeladene Meisterwerk in die zweite Runde. In insgesamt zwölf Episoden bekommt ihr diesmal zwar weniger Hei, dafür aber mindestens genauso sympathische Charaktere geboten. Die Animationsqualität bewegt sich indes leider eher auf dem Niveau der psychischen und physischen Verfassung des ehemaligen Hauptcharakters, bleibt aber dennoch im guten TV-Serien-Durchschnitt. Spwphl aus den Animationen als auch aus der Figur des legendären Black Reapers hätten Okamura-sensei und Kollegen deutlich mehr herausholen können. Onsonsten bleibt Darker Than Black 2 dem unverwechselbaren Serienstil treu. Das Mädchen Suo ist als neue Protagonistin trotz ihres zarten Alters stets glaubwürdig und äußerst sympathisch. Dank eines spannenden Drehbuchs und einer gelungenen Umsetzung ist Darker Than Black: Ryusei no Gemini eine der Ursprungsserie gerecht werdende Fortsetzung, wenn auch kein Meisterwerk.


© BONES • Tensai Okamura/DTBG Committee • MBS

von Kenshin    

Darker Than Black: Ryusei no Gemini - Verpackung
-- 9 --
» KOMMENTARE (2)
  • Originaltitel:
  • Deutscher Titel:
    Darker Than Black: Ryusei no Gemini
  • Japanisch Kanji:
    DARKER THAN BLACK 流星の双子(ジェミニ)
  • Alternativtitel:
    Darker Than Black: Gemini of the Meteor
  • Art/Typ:
    Serie
  • Genre:
    Action, Psycho, Mystery, Super Power, Drama, Polizei
  • Episoden:
    12, ~24 Minuten pro Folge
  • Produktionsjahr:
    08.10.2009-24.12.2009
  • Anime Release:
    Deutscher Release 00.00.0000
Bewertung
  Animation
 
  Story
 
  Charaktere
 
  Soundtrack
 
Gesamtwertung:     7.75
Bewertung
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